Von Merinomate Andreas
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Wer schon dort war, weiß wovon die anderen reden, wer’s allerdings noch nicht geschafft hat, sollte es probieren, oder vielleicht auch lassen. Komisch soll’s sein, und ungewohnt, ganz eigen und dann auch noch relativ bis super-schwer. Einige denken, da gehen nur die Cracks der Szene hin, andere kommen immer wieder gern mit der Quintessenz, dass hier viel gelernt werden kann und das eigene Entwicklungspotenzial enorm gepusht und ausgereizt wird.
Die Rede ist vom Klettergebiet in Kochel. Die Felsen schmiegen sich hier in die Landschaft im südlichen Teil von Kochel, beginnend ab dem Kienstein, mit seinen vielen ausladend aussehenden Routen und einem knackigen Zustieg. Abgesehen vom Patensektor, scheint der Rest hier abzuschrecken – bis hin zur Schlehdorfer Wand, irgendwo in den Tiefen unterhalb des Herzogstand-Heimgarten-Massivs.

Doch nicht alles was man hört, muss auch stimmen. Ja es ist richtig, dass die Wände in Kochel oft abschreckend wirken, allein durch ihre Größe, die einem Sportklettergebiet viele lange Routen beschert. Ja auch beim Anblick der Bilder im Führer mit dynamischen Posen an überhangenden grauen Kalkleisten und staubigen „Ich-bin-gar-kein-Tritt“-Tritten. Und ja, wie bereits eingangs erwähnt, ist das Kochler Klettergebiet von der Felsstruktur und auch der Routenidee gewöhnungsbedürftig. Doch dieses Gebiet mit seinen vielen herausfordernden Felsen, den vielen Routen und den enormen Möglichkeiten bietet so viel mehr, als die Kritiker oft glauben lassen. Nebst Sportkletterrouten natürlich auch enorm viele Boulder(gebiete) und eben genau diese Kombination ist die Grundlage für die Kochler Kletterschule. Eine Herausforderung durchzogen von Routen im 9. bis 11. UIAA Grad, zwischen denen sich auch für die Normalsterblichen immer wieder schöne Linien finden, die durchwegs machbar sind, auch wenn der erste Eindruck oft abschreckt.

Atlantiswand

Nehmen wir doch mal eine Wand mit weniger Anlaufzeit – die Atlantiswand. Die Atlantiswand ist das ultimative Testpiece und lädt allein bei der Ankunft schon aus und doch finden sich hier, gerade im Sektor „Krieg der Steine“ oder „Herbst und Heroin“ Routen im 7./8. Grad, die sich sehen lassen können.

Riversidewall

Oder noch etwas tiefer gelegen findet sich die „Riversidewall“ mit einer kleinen feinen Auswahl an tollen Routen im 7. Grad, geschmückt von einem 5er und einem 6er, alles machbar mit kleinen Einzelstellen, die zum Denken und „Sich-trauen“ einladen.

Rockywand & Afrikawand

rgarewgSelten habe ich selbst so viel gemeckert und geflucht, wie an der „Afrikawand“ oder der „Rockywand“, die vermeintlich Hakenabstände bieten, die sich gewaschen haben. Komischerweise war die Ärger-Mühe meist umsonst, denn jeder Haken war so gesetzt, wie er sein sollte, um gut Clippen zu können und die einzelne Stelle meist leichter, als diese sich am Anfang anfühlt.
Kochel wandelt irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Brutalität und Liebe. Die Kochler Truppe wird auch nicht müde, neue Sektoren frei zu räumen, zu putzen, herzurichten und zu investieren, damit die Kletterschule der Kochler Felsen immer neue Herausforderungen bereithält.

Panoramawand

Es gibt Wände da lohnt sich nicht mal der Zustieg – scheinbar. Die Panoramawand ist so ein Phänomen. Panorama findet sich da quasi keines, denn der Name lügt, aber Routen finden sich da und die fordern auch den gestandenen Kalkkletterer. Acht Routen im Bereich 7-8, ganze 13 Routen von 9-10.

Sonnenwand

SonnenwandLohnend sind definitiv die „Sonnenwand“ mit ihren verhältnismäßig vielen Routen für den durchschnittlichen Kletterer im Bereich 6. Grad bis unterer 8. Grad.

 

 

 

Reservat

Wer auf mehr Luft unter den Füßen steht, sollte sich das „Reservat“ nicht entgehen lassen. Hier finden sich nebst einer Hand voll leichten Einsteigerrouten ganz besondere Seillängen zum Sportklettern. Besonders hervorheben möchte ich hier die Route „Kochelmonster“ (5+), die über verschiedene Routen im 5. bis oberen 7. Grad erreichbar ist und durch einen imposanten Kamin (mit Blick nach draußen) führt.
Kochel ist, um es mal auf den Punkt zu bringen, irgendwie IRRE. Irre cool, irre hart, irre gewachsen und irre herausfordernd, aber einfach auch irre imposant, irre schön und auch irre lohnend.
Aber bedenke: nicht verzagen – Kochel wagen.
Nimm dir Zeit und lerne den Felsen kennen, dann geht es leichter, auch wenn es dafür mehrere Anläufe braucht, es ist auf Jedenfall lohnend. Und egal wann oder wie, in Kochel hatte ich bisher immer Spaß.

Euer Merinomate Andreas
PS: für alle die noch mehr Infos brauchen und direkt loswollen, hier geht’s zu einem online Kletterführer des Kochelgebietes.