von Jörn

///Achensee Trailrun Christlumkopf (9 von 27)Es ist immer wieder eine interessante Erfahrung, wenn man aus seiner Filterblase herauskommt und mit Menschen zusammensitzt, für die Marathon, Triathlon und Trailrunning Fremdworte sind. “Wie, du läuft einen Marathon – und sogar länger? Ach und Ironman bist du auch noch?”. Meist zucke ich mit den Schultern und bin peinlich berührt. Eigentlich versuche ich das Thema schon zu vermeiden, einfach, um nicht so überheblich zu erscheinen, wenn ich von meinen sportlichen Eskapaden erzähle, als wäre es das Normalste von der Welt, über 20 Stunden rund um die Zugspitze zu laufen oder einen Langdistanztriathlon zu absolvieren. Auf die große Frage, dem Warum, antworte ich dann meist einfach damit, dass es mir Spaß macht – und ernte dabei ziemlich ungläubige und erstaunte Blicke.

Spaß an der Qual?
Ja, es ist tatsächlich so einfach. Und dann auch wieder nicht. Es ist wie eine Art Eisberg, an dessen Spitze solche Begriffe wie Spaß, Leidenschaft und “ich-kann-verdammt-nochmal-so-viel-Kuchen essen-wie-ich-will” stehen. Wie es bei Eisbergen aber immer so ist, lauert da noch ziemlich viel unter der Oberfläche. Wobei lauern hier das falsche Wort ist, denn es impliziert etwas Gefährliches. In Wirklichkeit sind sehr viele positive Dinge, aber auch ein paar negative, die ich nicht verschweigen will. Also warum ist Ausdauersport so faszinierend und was stellt er mit einem an. Der Versuch einer Spurensuche…

Ruhe und Gelassenheit
Es sind diese beiden Eigenschaften, die sich durch den Sport bei mir am deutlichsten ausgeprägt haben. Man kann sich das ganz einfach vorstellen: Wenn ich genervt oder ungehalten bin, dann stelle ich mir einfach immer wieder vor, wie hart und anstrengend es ist, einen Marathon/Ultramarathon/Triathlon zu finishen. Und schwupps, mich bringt nichts mehr so schnell auf die Palme. Und wenn doch, dann bringt mich das Training wieder auf den Boden zurück. Das Ganze hat also einen doppelt positiven Effekt. Eigentlich ist es nicht mal unbedingt der Wettkampf selbst, der für Gelassenheit sorgt, sondern auch der Weg dorthin. Unzählige Stunden der Schinderei – viele davon machen nicht unbedingt Spaß. Bei Wind und Wetter. Entschuldigt die abgedroschene Phrase, aber “Der Weg ist das Ziel” ist hier mehr als richtig.

Freude und Glück
Richtig gehört bzw. gelesen! Auch wenn es vielleicht komisch klingt, aber sich total außer Puste einen Berg hoch zu kämpfen, nur um dann den Sonnenaufgang zu bestaunen, ist einfach großartig und das pure Glück. Der rassige Downhill danach lässt das Herz gleich nochmal höherschlagen. Und ihr könnt euch das Gefühl nicht vorstellen, nach einem Marathon oder am Ende einer Langdistanz in das Ziel einzulaufen und von allen Zuschauern gefeiert zu werden. Und zwar egal, ob man erster oder letzter ist. Die Freude die man dabei spürt, die Last, die von den Schultern fällt. Es ist schwer, dieses Gefühl in Worte zu fassen.

Zweifel und Abbrüche
Nichsobock (1 von 1)Ja, auch das gehört zum Leben eines Ausdauersportlers dazu. Gerade bei großen Projekten ist die Fallhöhe hoch. Ein DNF (Did not finish) ist für Läufer, Radfahrer und Triathleten in vielen Fällen nur schwer zu ertragen. Die Zweifel im Vorfeld eines Wettkampfs plagen immer dann das Gewissen, wenn man den Trainingsplan mal nicht so einhält, wie gefordert. Aber auch hieraus kann man Positives ziehen. Zum Beispiel, dass es immer weitergeht. Auch wenn ein DNF und keine sagenhafte Zielzeit hinter dem Namen steht. Oder das eine Pause im Trainingsplan dem Körper doch gut tut und man sich ab und an auch um andere Dinge kümmern sollte – das tut dem Kopf besonders gut.

Und auch wenn wir in der heilen Welt der sozialen Medien immer wie die Helden rumkommen, die scheinbar mühelos jede Herausforderung meistern, die immer top motiviert und keine Schwäche zeigen, so gibt es eben auch genug Momente, in denen es eben nicht so rosig ist. Solange unterm Strich bzw. solange der große Teil des Eisbergs noch aus positiven Emotionen besteht, macht ihr alles richtig. Und wenn nicht: Nicht für jeden sind Ausdauersportarten das Richtige. Deshalb halten wir es doch einfach hiermit:

“Do all things with love!”///