Von Merinomate Jörn
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Als ich mit Ausdauersport anfing, war für mich klar: Ich würde nie einen Marathon laufen. Ironman? Die sind ja vollkommen verrückt… Mehr als ein Jahrzehnt später sieht die Sache anders aus. Mein dritter Langdistanztriathlon ist Geschichte, ich habe den einen oder anderen Ultramarathon in der Tasche und finde das Ganze inzwischen gar nicht mehr so unnormal. Es ist zum Alltag geworden. Zumindest für mich – viele Freunde und Bekannte schauen mich immer noch, als wäre ich nicht ganz knusper. Denen erzähle ich dann immer folgendes…

Grenzen verschieben sich

ChallengeRoth (1 von 1)Wie schon erwähnt, betreibe ich Ausdauersport nun seit mehr als zehn Jahren. Eine Zeit, in der man mit Geduld und Training die eigene Form sinnvoll erweitern kann. Schon ein Jahr nach meinem ersten 10 km Lauf stand ich an der Startlinie meines ersten Halbmarathons, ein Jahr darauf die erste Mitteldistanz beim Triathlon (1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren, 21 km Laufen). Und auch wenn es sich erstmal krass anhört: Sich auf so ein Niveau zu hieven ist vergleichsweise gut machbar.

Der Sprung von Halbmarathon auf Marathon ist allerdings eine ganz andere Hausnummer. Lange Läufe, hohe Wochenumfänge und eine hohe Belastung für den Organismus. Und letztlich ist auch das Rennen selbst eine riesige Hürde, die es zu überwinden gilt. Im fünften Jahr sollte es soweit sein. Ich kann mich noch lebhaft an den emotionalen Zieleinlauf erinnern. Eine sehr gewissenhafte Vorbereitung hatte sich in einer für meine Verhältnisse unglaublich guten Zeit niedergeschlagen. Ich weinte sogar. Bisher immer noch eine der prägendsten Erfahrung in meinem Leben.

Ich war an einem Punkt wo ich merkte, dass eine solche Art von Wettkampf mit einer guten Vorbereitung durchaus machbar ist. Ein Langdistanz-Triathlon, aka Ironman war aber bis dato immer noch kein Thema.

Das Ende der Fahnenstange?

Zwischendurch war ich lange als Trailrunner unterwegs und bin Ultra-Marathons bis 100 km gelaufen. Ich war 22 Stunden auf den Beinen. Komplett kaputt – zum Glück nie nachhaltig – aber es erfüllte mich. Es gab und gibt mir Kraft alltägliche Dinge zu bewältigen. Eine blöde Email wirkt in Anbetracht einer solche Leistung nur noch als Randnotiz im Alltag. Meistens zumindest!

Und dann kam das Jahr 2016 – ich stand plötzlich an der Startlinie meiner ersten Langdistanz. Eine lange Entwicklung gipfelte in einem Höhepunkt. Und was für einem: Ganz unabhängig von der Strecke – immerhin 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen – ist die Challenge Roth ein Wettkampf, den es so kein zweites Mal auf der Welt gibt. In der vergleichsweise kleinen Stadt südlich von Nürnberg treffen sich jetzt jedes Jahr mehr als 3000 Sportler aus über 60 Ländern, 250.000 Zuschauer und 6000 Helfer, die ein Triathlon-Fest feiern, das seines Gleichen sucht.

Das Gefühl inmitten von 30.000 jubelnden Menschen einen Berg hoch zufahren ist so grandios, dass man nicht anders kann als permanent zu grinsen. Die Stimmung an der gesamten Strecke ist der Wahnsinn – Magie liegt in der Luft. Und ich übertreibe hier keinesfalls. Wer Ausdauersport nur ansatzweise etwas abgewinnen kann, sollte irgendwann mal nach Roth – egal ob als Zuschauer oder Athlet.

Es ist schwer sich davon zu lösen. Deshalb ging es auch in den zwei darauffolgenden Jahren zurück in die fränkische Provinz. Und tatsächlich kehrte ich jedes Mal mit viel Freude und guten Erinnerungen zurück. Auch wenn ich 2019 definitiv Pause machen werde. Nein, es ist noch nicht das Ende. Aber eine kleine Verschnaufpause kann nicht schaden.

Warum?

Die große Preisfrage bei dem ganzen Thema. Für den Ruhm? Nein, nicht wirklich. Für die Gesundheit? Naja, teilweise ist das nicht ganz soooo gesund. Für Kuchen? Ja, auch. Die Antwort auf diese Frage muss freilich jeder für sich beantworten. Wie ich schon andeutete, gibt es mir im Alltag Kraft, anstrengende Situationen besser zu meistern. Beim Laufen, Radfahren und Wandern bekomme ich den Kopf frei, kann Gedanken besser fließen lassen und mich sortieren. Nicht zuletzt sind es aber auch die Zuschauer, die so viel positive Stimmung verbreiten, dass es mir einfach guttut. Und zwar nicht nur in Roth – auch bei jedem kleinen Volksläufchen in der Provinz.

Vielleicht konnte ich ja den einen oder anderen von euch ein wenig anstecken mit der Faszination Ausdauersport. Probiert es ruhig mal aus! 😉

Tipp von uns: den kompletten Race Report in Videoform findet ihr hier: