von Andreas

///sturm-skitour-brauneck-matthias-1_origDie Wettervorhersage für den bayerischen Alpenraum am heutigen Tag war dezent bescheiden. Und auch der Blick aus dem Fenster konnte daran nichts ändern – stürmische Böen und Graupelschnee. Aber was soll’s, die freie Zeit und der Drang nach draußen waren irgendwie stärker und so haben Matthias und ich beschlossen, dass wir doch eine Skitour starten, egal wie sehr das Wetter uns dagegen arbeitet. Das es so kommen würde, war aber noch nicht ganz klar.
Wie immer früh morgens alles gepackt und die Ski bereits daheim aufgefellt – erspart kalte Finger gleich zu Beginn und bringt Zeit – Zeit die bitter nötig war. Ziel war erneut der Brauneck-Gipfel, der sich in einem dichten Wolken- und Windmeer versteckt hält. Letzte Chance am fast leeren Parkplatz abzubrechen und in die Sauna zu gehen, da soll es ja bekanntlich schon warm sein. Kurz überlegt – Wärme, Schwitzen, Sprudelbecken – sehr verlockend, sollten wir tun? Ja tun wir – aber erst nach der Tour… Also alles eingepackt, aufgesattelt, Ski an und los. Die ersten Meter bis zum Wald hatten wir den Wind fast im Rücken, im Wald selbst dann war es gespenstisch still. Wir haben ja Zeit und konnten immer wieder stehen bleiben, nur um zu lauschen und absolute Stille abwechselnd mit stürmischen Böen in den Baumwipfeln zu erleben. Selbst das Nachziehen der Ski, das leise Knarzen der Schuhe, die Stöcke im Schnee und der eigene Atem scheinen zu laut hier.

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Auf der Piste konnten wir insgesamt sieben Abfahrtsspuren ausmachen und die zeugten von wunderbarem, zentimeterhohem Pulverschnee – sollte die ganze Unternehmung doch noch zu einem wunderbaren Skitourentag führen, mit einer Powderabfahrt in fast unberührtem Skigebiet? Hoffnung flammt auf und mit ihr der erneute Wind.

Die Aufstiegsspur zugeschneit und wir somit quasi als erstes Team im neuen Schnee mit neugespurtem Weg, weit und breit kein Mensch und immer wieder diese absolute Ruhe zwischen den minutenlangen stürmischen Böen in Baumwipfeln und auf den freien Flächen. Doch die Zeiten der Stille wurden immer kürzer und der Wind immer stärker und lauter. Als wir an der Florianshütte vorbei waren und die Liftspur querten zeigten sich auch die Folgen der Böen im Schnee – vereiste Stücke und Buckel, auf denen die Felle quasi keinen Halt mehr finden, der Aufstieg wurde mit jedem Schritt auf offener Fläche schwieriger. Auch im letzten Waldstück war die Spur übersät mit Ästen, Tannenzapfen und allem, was der Wald so hergibt, die Bäume knarzten unter der enormen last aus Wind und Schnee und schützten auch nicht mehr so sehr vor den Böen wie tiefer am Bergrücken. Wirklich unangenehm wird es jedoch dann in dem Moment in dem wir oben aus dem Wald ein letztes Mal heraustreten um Richtung Gipfel und Gipfelhaus aufzusteigen. Die Böen sorgten für wackelige und unsichere Schritte, dick eingepackt und gegen den Wind ankämpfend geht es nur noch langsam voran, die Orientierung geht im Schneesturm unter und alle zehn Schritte gilt es sich kurz umzuschauen und die Richtung anzupeilen.

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Die letzten Meter zur Bergstation beinhalten ein natürliches Peeling, das im Gesicht schmerzt und die Augen scheinen die Tränenflüssigkeit nur so zu verlieren (hoffentlich frieren sie nicht zusammen). Die Bergstation stämmt sich gegen den Wind, bietet aber keinen Schutz, also weiter über noch mehr vereiste Platten und in die Richtung, wo das Gipfelhaus mit einer warmen Stube hinter den Schneewehen und dem Sturm stehen könnte. Die letzten Meter werden erneut zu einer Demonstration des Wetters und seiner Kraft, aber jetzt schaffen wir die letzten Meter auch noch. Die Ski bleiben aufgefellt, der Gipfel soll ja nachher noch kurz her, aber vorher Brotzeit und Aufwärmen (weit wäre es nicht mehr, aber für’s Erste reicht’s).

Drinnen dann die erhoffte Pause, gutes Essen, ein paar gute Gespräche mit den fünf anderen Tourengeher, die scheinbar auf anderem Wege aufgestiegen sind, danach wieder raus ins Schneetreiben und zum Gipfel hinterm Haus.

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All die Schinderei und das Gekämpfe gegen den Wind hält heute eine Belohnung für uns bereit – keine Aussicht, kalte Finger, wehe Gesichter – mimimimimiii…
Abfellen, einpacken und abfahren – und da ist sie, die verdiente Belohnung: eine traumhafte Abfahrt, kein einziger anderer Skifahrer weit und breit, fast unverspurte Pisten mit Pulverschnee bis fast ins Tal. Dem arktischen Wind zum Trotz, dem Eis zum Trotz und der Abfahrt wegen – eine tolle, erinnernswerte Tour und die Erkenntnis, dass es für Skitouren nicht immer nur Sonne und tolles Wetter braucht, denn alles hat seinen Reiz in den kleinen Dingen.

Wir belohnen uns selbst noch und fahren kurzerhand noch ins “monte mare Tegernsee” und gönnen uns drei Stunden saunieren und schwitzen, Salzeinreibung, Wärme und Entspannung, bevor wir den Heimweg antreten.

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Warm war uns heute in jedem Fall immer, dank SN super.natural Merinounterwäsche…